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Up Reisetagebuch 41a: Mallorca (2007) Slideshow

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Palma de Mallorca

Hostal La Minosa, 16. Oktober 2007. Palma beim nächtlichen Landeanflug ist durchaus sehenswert, bei Tage erscheint es mir eher langweilig und nicht viel anders als die anderen Städte im spanischen Universum. Majestätisch erhebt sich die hell angestrahlte Kathedrale über der langen Küstenlinie mit ihren gelben Straßenlampen. Wenig später rausche ich im Bus No.1 darauf entlang. Der Busfahrer erfreut seine Fahrgäste mit klassischer Musik. Ein Bariton im Duett mit einer zarten Frauenstimme, einfach zauberhaft.

Trotz intensivem vorangegangenem Studium der Busfahrpläne gelingt es mir nicht auf Anhieb, mein Hotel zu finden. Dreimal bin ich daran vorüber gefahren, ebenso oft vorbeigelaufen mit meinen 22,5 kg. Die Haltestellen heißen anders als auf dem Plan und das Seitensträßchen anders als auf meiner Reservierungsnotiz. Völlig erschöpft und geschwitzt komme ich 2,5 Stunden nach der Landung in der schlichten Unterkunft an, die doch für lange Zeit die beste gewesen sein wird, in der ich nächtigen durfte.

Dies ist der Beginn des wichtigsten Abschnitts der größten Reise meines Lebens. Sie wird von den Balearen über Gibraltar, Madeira, die Kanarischen Inseln, die Karibik und Südamerika bis hinunter an den Amazonas und wieder zurück nach Tobago führen. Gleichzeitig ist es eine Reise in mein Inneres. Ich habe mir ein Jahr Auszeit von meinem anstrengenden Beruf genommen, möchte sehen, wie ich damit zurechtkomme, möchte an mir erfahren, ob ich vielleicht noch länger ohne Beruf, ohne Hab und Gut, ohne Heimat und ohne die gewohnten Freunde in der gewohnten Umgebung leben möchte und kann.

Das Haus steht unter schwedisch-britischem Regiment, Ingrid und Victor haben ihre Freude daran, ihre Gäste in vielen Sprachen in Gespräche zu verwickeln. Das Managerpaar des Hotels hat die alte Mutter mit hierher gebracht. Ein Muster des Lebensabends, wie sie hier in ihrem Polstersessel ruht, eine Decke über den Beinen, neben sich den Leuchter und mit dem Rotweinglas in der Hand schaut sie still dem Geschehen von Rezeption und Bar zu.

Palma ist ein langweiliges Rentnerparadies. Kurz behost, überernährt oder auch hager, kernig oder mit Raucherhusten fristen die Herrschaften aus Deutschland oder England hier ihren Lebensabend. Immer wieder überprüfe ich meine Lebensplanung, aber klar ist für mich: Spanien ist keine Alternative für den dritten Lebensabschnitt, zu wenig Action und außerdem unterscheiden sich die Lebenshaltungskosten auch nicht von denen zuhause.

(Anderntags) Die Marinas Palmas schlafen den Schlaf der Nebensaison, die Yachten ruhen unter den Persenningen, kein Mensch ist dort zu sehen, schon gar nicht beim Segeln. Ich habe mich doch wohl nicht im Termin geirrt? Wassersport findet eher in der Stadt selber statt. Heute hat wieder ein heftiger Wolkenbruch die Straßen unter Wasser gesetzt, das von der Kanalisation nicht mehr aufgenommen werden kann. Sind erst einmal einige PKW mit ausgefallenen Zündanlagen liegen geblieben, wird die Straße gesperrt und das Verkehrschaos zur rush-hour ist perfekt. Tief sind die Rinnsale und bis zu den Busscheiben hoch spritzt das Wasser. Längst teilt sich Palmas U-Bahn das Schicksal mit der Titanic. Heute ertrank eine Frau in der Innenstadt.

Sollér

Ich kenne nicht besonders viel von Mallorca, habe um diese Ferieninsel jahrzehntelang einen Bogen gemacht. Das Ballermann-Image ist für einen Traveller abstoßend. Trotzdem hat Mallorca natürlich seine guten Seiten, besonders außerhalb von Àrenal. Eines dieser Glanzstücke kenne ich bereits, Sollér, habe dort schon einmal ein paar Tage verbracht und weil ich genügend Zeit habe, plane ich einen Tag für eine Fahrt dorthin ein. Alles dort ist noch beim Alten. Wirklich sehr schön gelegener Ort, wunderbare Bucht, man muss sich nur die Touristen wegdenken. Kein Reiseführer erwähnt, dass man hier in den Herbstferien auf gar keinen Fall hinfahren sollte. Zum Glück sind ja die meisten von denen in einem Mietwagen unterwegs und verpassen damit das Beste, die Fahrt mit der Schmalspurbahn über die atemraubende Bergstrecke. Auch die urige Straßenbahn ist noch immer nicht aus ihren wackligen Schienen gefallen und die Aussicht aufs Mittelmeer von der hinteren Ecke des Hafens aus, dort, wo der Leuchtturm steht, ist wirklich klasse. Hat Mallorca noch etwas Schöneres zu bieten als diesen Nostalgietrip?

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Palma de Mallorca

Wunderbar, oder? Das ist Fortschritt. Man kann die 10er Busfahrkarte auch bargeldlos am elektronischen Automaten aufladen! Allerdings ist die Fahrt dann teurer als mit einem Einzelfahrschein, den man beim Fahrer kauft.

Elektronik soll dem Menschen das Leben doch erleichtern und deshalb habe ich auf dieser Reise zum ersten Mal einen winzigen Computer dabei. Aber dieser Trip fängt ganz schlecht an. Versagt doch mein kleines Notebook bereits am ersten Tag seinen Dienst und kann nicht so schnell wieder instand gesetzt werden Der Computerladen machte gerade zu, als ich ihn endlich gefunden hatte. Wochenlang werde ich die untote Elektronikleiche jetzt mit mir umherschleppen. Ich hatte mir so viel von der Mitnahme versprochen: Tagebuch und Bilderverwaltung unterwegs, Emails im Hafen, Fernsehen mitten auf dem Atlantik....



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